Sonntag, 3. Juli 2011

Frustration, Traurigkeit & Co. bei Teenagern oder ehemaligen Teenagern

Auf meine Vorstellung des Teenager Befreiungs Handbuchs schrieb Meike (24) mir einen Kommentar, der mich zu weiteren Gedanken anregt (danke!). Sie freut sich, das Buch zu lesen, fragt sich aber, ob sie danach erstmal frustriert sein könnte, weil sie eben nicht das Glück hatte, dieses Buch vorher zu kennen bzw. selbst wenn sie es gekannt hätte, dass sie nichts hätte tun können. 

Frustration
Ich glaube, dass du dir beim Lesen des Buches darüber bewusst wirst, wie frustriert du die ganze Zeit schon warst und bist. Das habe ich so und zugleich als enorme Erleichterung empfunden. Endlich hat eine diffuse Unzufriedenheit, die mich seit der Pubertät begleitet, ein Gesicht bekommen. 

Ich habe mal bei Wikipedia nach der Bedeutung von Frustration geschaut. Das Wort stammt (wie so vieles) aus dem Lateinischen: frustra = vergeblich bzw. frustratio = "Täuschung einer Erwartung". Frustration sei eine Wunschversagung, welche mit dem Erlebnis eines aufgezwungenen Verzichts von Wünschen einhergeht. (Passiert einem sowas als junger Mensch in unserem Bildungssystem - aufgezwungener Verzicht von Wünschen?)
Weiter heißt es, Frustration entstehe "durch tatsächliche oder vermeintliche Benachteiligungen, enttäuschte Erwartungen und erlittene Ungerechtigkeiten, welche sich in einem Zustand der Enttäuschung äußert. Unmittelbare negative Folgen können Aggressionen sein oder längerfristige Depressionen". Ich glaube, um zu erkennen, ob man frustriert ist, reicht diese Definition.

Du kommst während des Lesens aber gar nicht dazu, frustriert zu bleiben. Frustration hängt ja immer irgendwie mit einem Gefühl von Hilflosigkeit zusammen. Und dieses Buch gibt soviel Anregung für neue Handlungen, dass du dich nur schwer hilflos fühlen kannst. Es hilft dir, voller Ideen in die Zukunft zu blicken, aber vor allem im hier und jetzt zu LEBEN und das Leben genießen zu wollen. In uns ist seit früher Kindheit so tief die Vorstellung verwurzelt, man müsse sich immer auf die Zukunft vorbereiten. Die Schule ist eine andauernde (vermeintliche!) Vorbereitung auf ein Leben, das irgendwann danach beginnt. Irgendjemand sagte einmal, wir wollen nicht auf das Leben vorbereitet werden, wir wollen leben!

Traurigkeit 
Was ich mehr erlebt habe als Frustration, war Traurigkeit. Traurigkeit darüber, wie die Umstände sind und waren und wie sie hätten sein können. Aber es war für mich eine befreiende Traurigkeit. Die Erfahrungen, die ich als Teenager und Schülerin gemacht habe, haben ein anderes Gesicht bekommen, manches Gespürte aber nie so richtig Greifbare hat einen Namen bekommen. Ich habe alles auf einmal in einem anderen Rahmen gesehen, und das war sehr befreiend. Die Trauer ist sehr heilend und macht Platz für einen Neuanfang. Du musst natürlich den Mut haben, deine eigene Trauer zu empfinden und hindurchzugehen. Allzugern verpacken wir bestimmte Gefühle - Trauer, Wut, Angst - in einem dicken Paket tief in unserem Herzen und schleppen sie mit uns herum. Es kann ein großer Schritt sein, diese Gefühle zuzulassen. Sie zuzulassen und zu durchleben ist eine Befreiung. 

Hilflosigkeit - Das Gefühl, nichts tun zu können. 
Auch wenn es in unserem Land nicht so einfach ist, sich von den äußeren Zwängen zu befreien, die unser Bildungssystem uns auferlegt, so ist es dennoch möglich. Die zweite Möglichkeit, die jeder von uns hat, ist sich innerlich zu befreien. Das Teenager Befreiungs Handbuch ist tatsächlich ein Handbuch für deine Selbstbefreiung in beiderlei Hinsicht. Ich möchte - auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wie eine Werbetante anhöre - dir prophezeien, dass du dich danach - nein, schon währenddessen - viel weniger hilflos und weniger frustriert fühlen wirst, dass du voller Ideen und Tatendrang sein wirst, dass du dich lebendiger fühlen wirst, als je zuvor.

Es ist nie zu spät (oder auch zu früh) dieses Buch zu lesen, ob Teenager oder (noch) nicht (mehr) Teenager. Es liefert u.a. eine Fülle an inspirierenden Geschichten über Menschen, die in Freiheit leben und lernen. Es eröffnet dir das Tor in eine neue Welt, von der du bisher (wahrscheinlich) keine Vorstellung hattest, von der du nicht ahntest, dass es sie gibt oder geben darf oder geben könnte. Deine Sicht auf unser Leben und auf unsere Bildung wird sich beim Lesen radikal verändern (und das sollte sie meiner Meinung nach auch).

Kommentare:

  1. Hallo,

    ich bin die zuvor genannte "kleine Schwester". Kurz über mich: Ich bin 24 Jahre alt, habe vor vier Jahren mein Abitur gemacht und bin gerade dabei, eine Ausbildung zu beenden (die allerdings auch Berufsschule beinhaltet).

    Das Lesen des Teenager Befreiungs Handbuches hat in mir verschiedenste Emotionen ausgelöst. Die meisten waren positiv, da sie mich inspirierten und optimistisch stimmten. Ich bekam einen Haufen Ideen und wollte sie am liebsten sofort umsetzen. Wie Franzi geschrieben hat: Ich hatte das erste Mal in meinem Leben das Gefühl, zu wissen, was ich machen will.
    Allerdings gab es auch einige Momente, in denen ich traurig und verärgert war. Meike's Befürchtung ist da durchaus nicht aus der Luft gegriffen. Ich habe mich geärgert, dass ich dieses Buch und die entsprechenden Möglichkeiten der Umsetzung nicht schon vor 15 oder mehr Jahren hatte. Denn auch wenn ich jetzt trotzdem noch vieles tun kann, so habe ich doch nie wieder die Möglichkeiten, die ich als Kind/Jugendliche gehabt hätte - theoretisch. Damals hätte das Gesetz mir trotzdem die entsprechenden Steine in den Weg gelegt, aber da hätten sich Wege finden lassen, denke ich mir. Ein wichtiger Vorteil ist, dass man als Jugendlicher nicht darauf angewiesen ist, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Man könnte also durchaus viel mehr Zeit haben, sich zu entwickeln und zu lernen - es gibt so viele Möglichkeiten! Der Gedanke daran, dass man diese Möglichkeiten so nie haben wird, dass man all die Jahre so viel sinnvoller hätte nutzen können, aber sie nun einmal nicht zurückbekommt, kann durchaus sehr frustrieren, das ist wahr. (Ich sage nicht, dass all diese Jahre sinnlos waren, denn ich habe viel erlebt, sowohl in als auch außerhalb der Schule, durch das ich gelernt habe und zu dem Menschen geworden bin, der ich bin. Nur hätte auch vieles nicht sein müssen, denke ich - für mich war ein Großteil der Schulzeit wirklich eine Qual, und dabei hatte ich nicht einmal nennenswert schlechte Noten! Die meisten Erfahrungen hätte ich auch ohne Schule gemacht/machen können, und wenn man dagegen aufwiegt, wie viel Zeit so viel besser hätte genutzt werden können...)
    Für jemanden, der die Schule bereits verlassen hat, ist dies also wirklich ein Punkt, an den man mit ziemlicher Sicherheit kommen wird. Allerdings stimmt es auch, dass das Buch einem nicht großartig die Möglichkeit lässt, lange frustriert zu bleiben. Die Tatsache, dass man trotzdem immer noch sehr viele Möglichkeiten hat, wie man sein Leben gestalten kann, hilft einem schnell, über diese frustrierende Erkenntnis hinwegzukommen. Die Erkenntnis, welche Vielzahl an Möglichkeiten einem noch offen steht, ist viel zu dominant, und durch die Inspiration beim Weiterlesen werden die negativen Gedanken bald beseitigt. (Ein kleiner Tip am Rande: Am besten was zu Schreiben in der Nähe haben, wenn man liest - mir kamen spontan so viele Ideen, die ich einmal auf Papier festhalten musste, damit ich den Kopf überhaupt frei hatte, um weiterzulesen.)

    ...

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  2. ...

    Das Problem der Frustration ist aber auch für Schüler sehr groß. Als Schüler hat man zwar theoretisch noch viele Möglichkeiten vor sich, wenn man aber nun einmal hier (in Deutschland) zur Schule geht, scheint einem der Gedanke an ein Leben ohne Schule wahrscheinlich sehr unrealistisch zu sein. Spontan kommt mir folgendes Bild in den Sinn: Man ist von einer kilometerhohen, dicken, unüberwindbar scheinenden Mauer umgeben, auf einem grauen, kalten Platz, und kann durch ein winziges Loch in der Mauer auf der anderen Seite eine wunderschöne Welt sehen - doch scheint es absolut keine Möglichkeit zu geben, diese Mauer zu überwinden und aus der grauen Welt zu fliehen. Wer dieses Gefühl kennt, dem rate ich nur, nicht zu verzweifeln. Ja, es ist hier und jetzt vielleicht nicht einfach, aber das heißt nicht, dass es unmöglich ist. Und es hilft, sich an andere, Gleichgesinnte zu wenden - zum einen, weil das Gefühl der Hoffnungslosigkeit dann abnimmt, und zum anderen, weil sich im Gespräch mit anderen vielleicht Möglichkeiten ergeben, auf die man allein gar nicht gekommen wäre. Ich für meinen Teil würde jeden, der mich um Hilfe bittet, unterstützen, so gut ich kann! Nur Mut!

    Liebe Grüße,
    Isabel

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