Sonntag, 23. Oktober 2011

Stellenanzeige

Was würden deine Eltern dir raten, wenn du mit einer Stellenanzeige zu ihnen kämst, die folgendermaßen lautete:

Wir bieten:
  • 12 Jahre unbezahlte Arbeit (mit Verlängerungsoption bei gutem Verhalten um 6-10 Jahre)
  • wöchentliche Arbeitsstunden in Großraumbüro: 20-35 (sukzessive Steigerung), als zusätzliches Engagement werden mindestens 30 Min. Überstunden täglich erwartet
  • Tätigkeit überwiegend sitzend, nach vorgegebenem Zeitplan (Essenspausen klar geregelt, Toilettenpausen nach Absprache)
  • Aufgabenfeld nicht selbst ausgesucht, übereinstimmend mit dem Ihrer Kollegen (ungefragter Austausch während der Arbeitszeiten untersagt)
  • Am Ende (und zwar erst am Ende) ein Arbeitszeugnis, dessen Inhalt auch schlecht sein kann.
Würden Sie dir raten, dieses Angebot anzunehmen, oder lieber das Risiko einzugehen, etwas Besseres zu bekommen?

Kommentare:

  1. Liebe FranKlin,

    ich bin überzeugt, dass sich an unserem derzeitigen Bildungs- und Betreuungssystem nur etwas ändern wird, wenn Eltern endlich beginnen, dagegen vorzugehen.
    Schön, dass Du diesen Weg gehst! Vielen Dank dafür!
    Andrea (alde)

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  2. Liebe Andrea,
    danke für deinen mutmachenden Kommentar!

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  3. Das klingt ja gerade so, als würden Schüler für irgendwen anders als sich selbst "arbeiten".

    Wenn ich eine Arbeit annehme, dann tue ich im Rahmen dessen etwas für jemand anderen und fordere dafür natürlich auch eine Gegenleistung. Wenn ich jedoch in die Schule (oder in die Uni, wenn ich das mit der Verlängerung nach 12 Jahren richtig verstehe) gehe, dann setzen sich andere, ohne dass ich dafür bezahlen muss, mit mir hin und bringen mir was bei. Es arbeiten also andere für mich, und das ohne, dass ich dafür bezahlen muss! Was für ein unglaubliches Privileg!

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    1. Zitat: "Das klingt ja gerade so, als würden Schüler für irgendwen anders als sich selbst "arbeiten"."

      Natürlich "arbeiten" sie für andere. Sie "arbeiten", damit ein Lehrer mit den Zahlen zwischen 1 und 6 um sich werden kann, damit Bildungsbürokraten ihren Lehrplan verwirklicht sehen können, damit ein System nicht seiner Existenzberechtigung beraubt wird, sie "arbeiten", weil unser Staat sich anmaßt, einen Bildungs- und Erziehungsauftag zu haben (dem er, noch dazu, nicht gerecht wird).

      Ich kann es nicht annähernd so formulieren wie Marianne Gronemeyer, deshalb verweise ich auf ihren wirklich lesenswerten Beitrag. Es ist ein niedergeschriebene Vortrag, den Frau Gronemeyer im November 2012 in Wien gehalten hat.

      www.streifzuege.org/2013/bildung-braucht-gastlichkeit

      Seit wann muss für den Schulbesuch nicht bezahlt werden? Richtig: der Beschulte zahlt natürlich nicht (dafür ist er zu jung). Aber wollen wir doch bitte nicht so tun, als käme das Lehrergehalt und all die anderen Kosten für die Zwangsbeschulung vom Himmel. Und tun wir doch bitte nicht so, als hätte dieses "Kostenlos" nicht auch Nachteile. "Kostenloser Schulzwang ist ja nur ein kleiner Teil unseres "Sozial"systems. Die Regierenden erschaffen Hartz 4, um anschließend zu bestimmen, wie sich die abhängig Gemachten anschließend zu verhalten haben. Ich nenne das Asozial. Das aber nur am Rande.

      Ich möchte ungefragt nichts beigebracht bekommen und würde mir Diejenigen gerne aussuchen, die mir etwas beibringen. Ich möchte keine Antworten bekommen auf Fragen, die ich nie gestellt habe. Wenn ich könnte, würde ich auf dieses Privileg gerne verzichten. (Auch wenn ich den letzten Absatz in der Ich-Form geschrieben habe, bin ich zum Glück keiner mehr von denen, die sich beschulen lassen müssen.)

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    2. Zitat: "Das klingt ja gerade so, als würden Schüler für irgendwen anders als sich selbst "arbeiten"."

      Natürlich "arbeiten" sie für andere. Sie "arbeiten", damit ein Lehrer mit den Zahlen zwischen 1 und 6 um sich werden kann, damit Bildungsbürokraten ihren Lehrplan verwirklicht sehen können, damit ein System nicht seiner Existenzberechtigung beraubt wird, sie "arbeiten", weil unser Staat sich anmaßt, einen Bildungs- und Erziehungsauftag zu haben (dem er, noch dazu, nicht gerecht wird).

      Ich kann es nicht annähernd so formulieren wie Marianne Gronemeyer, deshalb verweise ich auf ihren wirklich lesenswerten Beitrag. Es ist ein niedergeschriebene Vortrag, den Frau Gronemeyer im November 2012 in Wien gehalten hat.

      www.streifzuege.org/2013/bildung-braucht-gastlichkeit

      Seit wann muss für den Schulbesuch nicht bezahlt werden? Richtig: der Beschulte zahlt natürlich nicht (dafür ist er zu jung). Aber wollen wir doch bitte nicht so tun, als käme das Lehrergehalt und all die anderen Kosten für die Zwangsbeschulung vom Himmel. Und tun wir doch bitte nicht so, als hätte dieses "Kostenlos" nicht auch Nachteile. "Kostenloser Schulzwang ist ja nur ein kleiner Teil unseres "Sozial"systems. Die Regierenden erschaffen Hartz 4, um anschließend zu bestimmen, wie sich die abhängig Gemachten anschließend zu verhalten haben. Ich nenne das Asozial. Das aber nur am Rande.

      Ich möchte ungefragt nichts beigebracht bekommen und würde mir Diejenigen gerne aussuchen, die mir etwas beibringen. Ich möchte keine Antworten bekommen auf Fragen, die ich nie gestellt habe. Wenn ich könnte, würde ich auf dieses Privileg gerne verzichten. (Auch wenn ich den letzten Absatz in der Ich-Form geschrieben habe, bin ich zum Glück keiner mehr von denen, die sich beschulen lassen müssen.)

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  4. Hallo Doreen,
    danke für deine Gedanken. Ich finde sie interessant und nachvollziehbar. Natürlich drückt auch diese "Stellenanzeige" (wie alle Stellenanzeigen) nur einen Teil der Aspekte aus, die eine "Arbeitsstelle" umfasst.

    Zunächst zu deiner Überlegung zur Arbeit, die ich annehme: Ich finde den Gedanken, eine Arbeit "nur für Geld" zu machen, irgendwie schade bzw. ich fände es schade, wenn es so wäre. Ich weiß nicht, ob du mit "Gegenleistung" vielleicht mehr als das meinst. Ich gehe davon aus, dass es wünschenswert und erfüllender ist, eine Arbeit zu machen, von der ich auch etwas habe (und mehr als vielleicht die Befriedigung, etwas für jemand anderen zu tun, wenn dies befriedigend wäre, das muss es u.U. ja nicht sein), so z.B. Erfahrung, Selbstvertrauen, Einbringen meiner Fähigkeiten, Sinnhaftigkeit, Ausleben meiner Talente. Ich würde jedem Menschen wünschen, eine Arbeit zu machen, nicht nur "für jemand anderen".

    Deinen Worten zufolge "arbeiten" Schüler für niemand anderen, als für sich selbst. Ich glaube, dass Schüler natürlich auch für sich selbst arbeiten, aber nicht nur bzw. bei Weitem nicht genug. Würden sie nur für sich arbeiten (dürfen), würden sie in vollem Maße ihren Interessen nachgehen (dürfen), ihre Talente in vollem Umfang entfalten (können) und müssten nicht lernen, was andere ihnen vorgeben (oder etwas krasser ausgedrückt: vorschreiben) und sich auf einen fremdbestimmten "Arbeitsbereich" beschränken, sondern dürften in entscheidendem Umfang mitbestimmen und wählen, welche (Lern-)inhalte, -materialien oder -strategien für ihre (Lern-)Entwicklung am besten sind. Es mag sein, dass dies an manchen Schulen verstärkt so ist - diese kosten u.U. eine Menge Geld (abgesehen davon, dass ich natürlich dafür bezahlen muss, denn wer bezahlt denn "die Schulen", wenn nicht wir selbst?).

    Studien haben ergeben (und ich finde es eigentlich trivial), dass Menschen wesentlich mehr Lebenszufriedenheit haben, wenn sie an ihrem Arbeitsplatz Gestaltungsmöglichkeiten, Mitbestimmungsrecht und Eigenverantwortung haben und die Arbeit sinnvoll und nützlich erscheint. Ich denke, dies ist an Schulen u.U. nur sehr begrenzt gegeben (an vielen Arbeitsplätzen natürlich auch, z.B. auch der des Lehrers).
    Es gibt Menschen, die glücklicher und erfüllter sind mit einer Arbeit, die ihnen Spaß macht und bei der sie weniger verdienen als bei einer, die ihnen viel Geld beschert, aber wenig Freude bereitet.

    Ich denke, jeder sollte wählen dürfen. Dazu braucht er allerdings die Freiheit, wählen zu dürfen. Außerhalb der Schulzeit besteht für jeden von uns diese Freiheit (auch in der Uni, wobei auch hier die Mitgestaltungmöglichkeiten immer eingeschränkter werden - und kostenlos ist sie schleißlch auch nicht). Warum soll nicht auch ein "Schüler" wählen dürfen, ob er bestimmte Dinge oder Themen lieber in oder mit der Schule oder ohne Schule lernen will?
    Ich hätte diese Wahlfreiheit als unglaubliches Privileg empfungen - mag sein, dass es viele Menschen nicht so sehen (würden), aber das gehört zu eben dieser Wahlfreiheit dazu.

    Ich könnte mir sogar vorstellen, dass viele Menschen bereit wären, für Bildung etwas zu bezahlen, wenn sie ihre Talente, Interessen und Fähigkeiten frei entfalten dürften.

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  5. Und dann hast du auf einmal 100 Kinder, die alle super Strichmännchen malen, auf nem Schlagzeug rumhauen, Papierflieger basteln. Und wenn die Schule dann vorbei ist hast du genau einen Schlagzeuger untergebracht und der Rest lebt von Hartz4.
    Ich denke die Zahl der Kinder oder Pubertierenden, die tatsächlich wissen was gut für sie ist, ist verschwindend gering.
    Und wenn du so einen Schultyp bevorzugst schick deine Kinder doch einfach auf eine Waldorfschule und gut ist.

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  6. Hallo Fräulein Fledermaus,
    wieso sollte sich ein Mensch damit zufrieden geben, Strichmännchen zu malen, auf nem Schlagzeug rumzuhauen und Papierflieger zu basteln? Jedes kleine Kind entwickelt sich innerhalb kurzer Zeit aus dem Strichmännchenstatium hinaus, ohne dass ihm das irgendjemand beibringen muss.
    Menschen sind von Natur aus neugierig und sozial. Lernen liegt in unserer Natur. Lernen ist ein Bedürfnis wie Essen und Schlafen - wenn dem nicht so wäre, wären wir längst ausgestorben.
    Natürlich lernt niemand im luftleeren Raum. Wir lernen im Zusammenleben mit und von anderen Menschen, beim Tun und Handeln, durch Beobachten und Ausprobieren. Das, was du beschreibst würde vielleicht passieren, wenn du die 100 Kinder jahrelang in einem fensterlosen Raum sperren würdest :)
    Ich habe die Grundannahme, dass Kinder und Jugendliche in der Regel sehr gut wissen was gut für sie ist - allerdings fehlt eben dieses Vertrauen in sie bei scheinbar vielen Erwachsenen - warum eigentlich? Haben sie selbst vergessen, dass sie einmal Kinder waren oder wurde ihnen nie Raum gelassen, selbst verantwortung für etwas zu übernehmen? Es fällt mir wirklich schwer, das nachzuvollziehen.
    Vielleicht liegt hier die Vorstellung zugrunde, sich frei zu bilden bedeute, ohne jegliche Anregung oder Unterstützung durch andere zu sein. Das wäre dann ein Missverständnis.

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  7. Hallo,

    ich muss sagen, ich finde das Beispiel mit den 100 strichmännchenzeichnenden, schlagzeugspielenden, papierfliegerbastelnden Kindern doch irgendwie ziemlich naiv. FräuleinFledermaus, gehst Du davon aus, wenn Du nicht in die Schule gegangen wärst/gingest, wären das Deine Interessen? Wenn ja, würde ich Dein geringes Selbstvertrauen bedauern, und wenn nein, dann frage ich mich, warum Du so vielen anderen Menschen nur so wenig zutraust. Jemand, der zu weit mehr in der Lage wäre, würde doch nicht grundlos sein eigenes Potential so krass einschränken. Warum sollte er das tun? Nichts sinnvolles zu tun ist sehr deprimierend - alle HartzIV-Empfänger, die ich kenne, haben mir diesen Eindruck deutlich bestätigt.
    Oder gehst Du davon aus, es gibt so viele Menschen, deren geistiges Potential nicht mehr zuließe? (Nein, ich will Dir nichts unterstellen, ich frage nur nach, wie Deine Aussage zu verstehen ist.) Wenn dies der Fall wäre und viele Menschen demnach, plump ausgedrückt, zu dumm wären, von sich aus mehr zu tun - wie sollen sie dann durch die Schule bessere Leistungen erbringen?

    Interessant finde ich noch etwas anderes: Als Argument für Schule wird hochgehalten, daß es ein Privileg sei. (Und damit möchte ich nicht sagen, das sei es auf gar keinen Fall und nie gewesen.) Demnach gibt es also viele Menschen, die im Prinzip Bildung wollen, und denen durch die Schule das Privileg zuteil wird, diese auch zu bekommen, oder verstehe ich das Argument da nicht richtig? Wenn man also davon ausgeht, die Menschen wollten sich bilden, bräuchten nur eben die Institution Schule, um das Recht auf Bildung zu gewährleisten, warum geht man dann in der späteren Argumentation davon aus, ohne Schule bestünde kein Interesse an Bildung und alle säßen nur dumm rum und täten nichts Sinnvolles? Da liegen zwei vollkommen gegensätzliche Menschenbilder zugrunde.

    Wenn Menschen nur etwas lernten, weil es ihnen jemand vorschreibt, wie ist die Menschheit dann soweit gekommen? Man vergleiche, wie lange es Schule gibt und wie lange es die Menschheit gibt. Saßen die Menschen nur dumm in der Gegend herum, ehe jemand kam und ihnen sagte "Ihr solltet jetzt was lernen." (und woher kam der bitte)? ;)
    Ich möchte damit einfach nur sagen, bevor man ein Urteil fällt, sollte man doch bitte überlegen, worauf es beruht - auf Vorurteilen oder einer rationalen Grundlage?

    Liebe Grüße,
    Levanna

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  8. Huhu Levanna,
    ich glaube, unseres Menschenbildes sind wir uns oft nicht bewusst. Ich nehme das niemandem übel, denn es ist oft schwer, sich auf sich selbst zu besinnen und herauszufinden: was ist eigentlich genau m e i n e Haltung? Ist es wirklich meine? Oder habe ich die übernommen - von Medien, Gesellschaft, anderen Menschen im Umfeld usw.
    Mir gefällt, wie du das ganze eben "erörtert" hast :)

    Und das ist genau auch ein Anliegen meines Blogs: Gedanken zu äußern (oder wiederzugeben), die verstören, aufregen und nachdenklich machen - vielleicht auch empören - und dazu führen, seine eigenen Vorstellungen zu hinterfragen - und sei es, dass man zu dem Schluss kommt, dabei zu bleiben :)

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  9. Führen Kommentare denn auch dazu, dass Sie ihre im Blog geäußerten Meinungen nochmal hinterfragen?

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  10. Ja, auf jeden Fall. Und wenn ich meine Meinung äußere, bin ich mir bewusst, dass sie meiner sujektiven Wahrheit entspricht - d.h. weder der absoluten Wahrheit (die es nicht gibt) noch einer allgemein zu akzeptierenden Wahrheit. Wir teilen doch unsere Meinungen häufig mit manchen Menschen und mit anderen nicht. Am wichtigsten ist es doch, dass wir auch unterschiedliche Meinungen haben dürfen. Mir liegt nichts ferner, als andere überzeugen zu wollen (und wenn dies hier so rüberkommt, werde ich darüber nachdenken, woran das liegen könnte), aber ich möchte meine Meinung äußern. Ich bin für jede Kritik oder Anmerkung dankbar, da sie mir hilft, meine Ansichten zu überprüfen.
    Wenn ich meine Meinungen hinterfrage, kann es dennoch sein, dass ich sie nicht ändere. Ebensowenig erwarte ich, dass jemand anders seine Meinung ändert. Ist das ok?

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  11. Ich denke einfach nur, dass 14-18jährige was besseres zu tun haben, als freiwillig Physik zu lernen. Hätte man uns damals freie Hand gelassen, dann hätte unser Leben aus Party und noch mehr Party bestanden und sicher nicht aus gewissenhaftem Lernen. Und ich habe eben NICHT vergessen, dass ich mal ein Schulkind war. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern.

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  12. Ich kann die "Bedenken" völlig nachvollziehen, sie sind ja auch irgendwie berechtigt. Man könnte sich zum einen fragen, was denn so schlimm wäre was "besseres" zu tun zu haben als Physik zu lernen (denn Physik scheint ja in dem Moment keinen Sinn zu ergeben). Wenn es keinen Sinn für mich ergibt, mir nicht wichtig ist oder mich nicht interessiert, werde ich es auch nicht lernen bzw. das Gelernte nicht lange behalten bzw. nicht davon profitieren, dass ich es lernen musste. Wir behalten nur Gelerntes, das interessant oder relevant erscheint (und noch nicht einmal, was andere als relevant für uns erachten).
    Und wenn es erstmal Party Party Party geben würde, wäre das schlimm (wie viele Menschen machen erst mal extrem Party in den ersten Studiensemestern)? ...Ich bin fest davon überzeugt, kein Mensch ist auf Dauer mit nur Party machen glücklich. Wir sind neugierige Wesen, es liegt in unserer Natur, uns bilden zu wollen. Ich denke, nach einer Weile wäre der Wunsch bzw. das Bedürfnis da, etwas lernen zu wollen bzw. Sinnvolles zu tun. Und dann aus eigenem Antrieb und nicht durch andere angetrieben. Denkst du nicht?
    Ich denke, wer lange Zeit lernen "musste", was andere ihm vorschreiben und wenig seinen eigenen Interessen nachgeht, wer bewertet wird (gut wie schlecht), verliert die Motivation zu und Freude und Spaß am Lernen. Der Gedanke, "Lernen tut man nur, wenn man dazu gezwungen wird", zeigt, dass es nicht mit Freude und persönlichem Gewinn assoziiert ist. Demnach ist es doch kein Wunder, dass ich erst mal alles andere mache als lernen, sobald ich nicht mehr dazu gezwungen werde.
    Im Laufe der ersten Grundschuljahre geht der natürliche Drang zu lernen nach und nach verloren. Warum? (Nicht nur) ich behaupte, das liegt daran, wie sich die Lernwelt unserer Schulen gestaltet. Die Lust, sich zu bilden wird "zerstört". Kein Wunder, dass sich niemand mehr vorstellen kann, dass man freiwillig und aus Spaß lernen würde. Ich finde das traurig.
    Ist das nachvollziehbar?

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  13. Mich würde interessieren, welche Interessen Sie zwischen-sahen wir 12 und 16 hatten? War da viel dabei was man für eine Berudsausbildung oder Studium gebrauchen und hinterher Geld mit verdienen kann?

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    1. Eine ganz späte Antwort auf diese vor langer Zeit gestellte Frage:

      Ich selbst hatte in der Zeit folgende Interessen:
      Lesen - wenn ich die Zeit gehabt hätte, hätte ich wahrscheinlich mindestens den halben Tag gelesen.
      Arbeiten - Ich hätte gern irgendetwas Sinnvolles oder Lehrreiches gearbeitet, schon als ich unter 12 war.
      Schreiben - ich hatte immer einen großen Drang zu schreiben, aber mein Leben fand ich so dermaßen langweilig, dass ich nie wusste, worüber ich hätte schreiben sollen. Und meine Phantasie ließ nach dem 12. Lebensjahr stark nach.
      Menschen - ich habe immer sehr Gespräche mit verschiedenen Menschen - hauptsächlich Erwachsene - genossen. Ich habe immer gern mit Kindern zu tun gehabt. Ich konnte gut anderen zuhören und ihnen bei Problemen zur Seite stehen (und hatte Freude daran).
      Nun, alles davon ist heute Teil meines Berufslebens...

      Ich finde die Frage, obwohl sie interessant ist, auch ein wenig müßig.
      Steht dahinter der Gedanke, wir würden, würden wir nicht zur Schule gehen, keinen Interessen nachgehen, die für Beruf oder Studium von Bedeutung wären? - Das möchte ich stark bezweifeln und sogar das Gegenteil annehmen.
      Steht dahinter der Gedanke, nur in der Schule (bzw. in der Schule überhaupt) würden wir Dingen nachgehen, die wir für Beruf oder Studium brauchen? - Ist das wirklich so? Das muss sich jeder selbst fragen. Frag Menschen, die die Schule längst hinter sich haben, wie viel davon für ihr Berufsleben oder ihr Leben überhaupt relevant war (die Antworten werden sicherlich unterschiedlich ausfallen - aber davon auszugehen, "ohne Schule kein vernünftiger Beruf", ist sicher nicht richtig).

      Zwei Jahre nach dem Abitur ist 90% des Gelernten wieder vergessen.
      Ein erfolgreicher Schulabschluss ist längst keine Garantie mehr für gute Berufsaussichten (ebensowenig ein guter Studienabschluss).

      Wie viele junge Menschen müssen ihre "Hobbies" - welche vielleicht die wirklichen Interessen oder Begabungen widerspiegeln - für den für die Schule notwendigen Aufwand vernachlässigen oder gar aufgeben?

      Wie viel Zeit wird in der Schule für Organisatorisches oder disziplinarische Maßnahmen verbraucht - ja verschwendet - die du viel intensiver und sinnvoller nutzen könntest (und würdest - und sei es, dass du nur mit bester Laune die Wolken beobachtest und dir überlegst, was du mit deiner Zeit alles anstellen kannst)?
      In meinem Physikunterricht der 8. Klasse bestand 95%(!) der Zeit jeder einzelnen Physikstunde (eines ganzen Schuljahres) darin, dass der (ziemlich alte) Lehrer versuchte, unsere vollpubertäre Klasse zu disziplinieren - die restlichen 5% erzählte er etwas von der Glühbirne (das ist wirklich wahr, allerdings ist dies eine meiner extremsten Schulerfahrungen). Entsprechend viel Ahnung und Spaß habe ich von und an Physik (und wie genau die Glühbirne funktioniert, weiß ich auch nicht mehr).

      Du weißt als Schüler nicht, welche Interessen du hättest, wärest du kein Schüler. Das wüsstest du erst, wenn du es ausprobieren würdest (oder ausprobiert hättest). Wenn du als Schüler denkst, "Gut, dass ich zur Schule gehe, sonst würde ich gar nichts machen, wobei ich lerne", so irrst du. Deine Bildung sähe ganz anders aus, wärest du kein Schüler (oder "Schulkind", wie meine Tochter zu sagen pflegt). Tausende Menschen auf der Welt machen die Erfahrung, sich ohne Schule zu bilden, und sind in mehrerlei Hinsicht sehr "erfolgreich" (und meist viel glücklicher).

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  14. Hallo,

    auch, wenn die Frage nach den Interessen nicht an mich gerichtet ist, so möchte ich doch einmal kurz das zusammenfassen, was mir dazu in den Sinn kam.
    Was hat mich im Alter von 12 - 16 interessiert? Es ist gar nicht so leicht, sich daran zu erinnern. Klischee-Hobbies wie Reiten, Turnen, ein Musikinstrument spielen o.ä. hatte ich in der Zeit nicht - bis auf letzteres auch nie gehabt. Aber was ich gerade in diesen Jahren viel getan habe, war mich mit Menschen befassen und mich regelrecht um sie kümmern. Klingt im ersten Moment komisch, aber rückblickend war es so. Ich neige generell eher dazu, Menschen, die Probleme haben, helfen zu wollen - früher noch stärker als heute. Dementsprechend habe ich bestimmte Menschen wohl regelrecht angezogen. Im Alter von etwa 12 - 14 drehte sich mein privates Interesse zu einem großen Teil um eine damalige Freundin, die nicht nur mit Drogen Probleme hatte, sondern mit so ziemlich allem anderen auch... Als ich 15 war, stand eine einzige Person, zu der ich eine noch kompliziertere Beziehung unterhielt, im Mittelpunkt meines Interesses. Da blieb mir für Hobbies nebenbei nicht viel Zeit...
    Was das mit Berufsausbildung/Studium zu tun hat? Erst einmal augenscheinlich nichts, oder?
    Andererseits... Wenn ich bedenke, dass ich durch die Erfahrungen in dieser Zeit über den Umgang mit Menschen in wenigen Jahren so viel gelernt habe, wie manch Erwachsener nach einem halben Leben erst... Das hilft mir erst einmal nichts, wenn ich Mathematik studieren will, aber Menschenkenntnis und Empathie sind für einen Beruf im sozialen Bereich unersetzlich. Traurigerweise gibt es in diesem Berufsfeld genug Personen, die nicht besonders gut mit Menschen umgehen können.
    Das war nur einmal der erste Gedanke, der mir zu dieser Frage in den Sinn kam. Weitere Dinge, die mich zu der Zeit interessiert haben: Bücher - ich habe wahnsinnig gern gelesen. Mathematik - ja, ehrlich. Ich war wohl eine der wenigen in meiner Umgebung, die einen Heidenspaß an Rechenaufgaben hatte!
    Ich bin sicher, es gab noch mehr Dinge, die mich interessiert haben, aber spontan sind es diese, die mir noch im Gedächtnis sind...
    Da war ich wohl ein sehr langweiliges Kind. Stimmt, aus Sicht der anderen Kinder - ich war immer ein Außenseiter, mal mehr, mal weniger, aber immer anders. Für nennenswerte andere Interessen hatte ich gar keine Zeit, weil ich damit klarkommen musste, mich nicht von der Tatsache komplett fertig machen zu lassen, dass ich aufgrund meiner Persönlichkeit in der Schule von meinen Mitschülern kaum akzeptiert wurde. In diesem Alter hatte ich viele Sorgen, und es ist schwer, sich für irgendetwas anderes zu interessieren, wenn persönliche Probleme einen belasten - ich denke, das kennt jeder. Ich kann es natürlich nicht wissen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mehr Interessen gehabt hätte, wenn mich weniger Probleme belastet hätten.
    Das nur als ein "kurzer" Bericht meiner Gedanken zu dieser Frage.

    Gruß,
    I.

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  15. Ich bin überwältigt von der Art und Weise zu denken!
    Sowohl die Kommentare als auch die Antworten sind absolut Nachvollziehbar und ich glaube, ich sollte mich manchmal in den Hintern treten und selber mal mein Hirn nutzen.
    Die Stellenanzeige ist absolut fantastisch und extrem erschreckend.

    Vielen Dank für die Anregungen!
    Dies ist ein sehr guter Blog für ALLE!

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  16. Ein großes Problem an der Schule ist tatsächlich, dass zuerst die Antwort und dann die Frage geliefert wird.
    So wird einem die Laune am erkunden geraubt.
    Das ist wie wenn dir jemand das Ende und den Täter eines Krimis von vornherein verrät...

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