Einleitung

Ich wurde durch den mehrfachen Austausch mit (schulpflichtigen) jungen Menschen zum Schreiben dieses Blogs inspiriert. Ihre (teilweise schwerwiegenden) Sorgen, Nöte und Ängste hängen zu einem ganz großen Teil mit "Schule" zusammen, wobei eine für mich wichtige Beobachtung dabei ist, dass die jungen Leute sich allesamt mit folgenden Fragen und Glaubenssätzen beschäftigen: 
"Was stimmt mit mir nicht?"
"Ich sollte anders/besser sein, aber wie?"
"Ich bin nicht gut genug/nicht richtig, nicht normal."
"Ich funktioniere nicht so, wie ich sollte."
"Ich erfülle nicht die Erwartungen der anderen."
Jedes Mal habe ich dabei diese Fragen im Kopf: "Bist du nicht genau richtig, wie du bist? Ist deine Reaktion nicht völlig gesund. Bist es wirklich du, der anders sein sollte?"

Ich möchte meine Gedanken überprüfen und herausfinden, was anders sein sollte. Ich behaupte: Unser Bildungssystem ist das Problem, es ist nicht gut - weder für die Lernenden noch für die Lehrenden. Es sollte anders sein! Dabei möchte ich betonen, dass ich nicht der Meinung bin, es sollte verbessert werden (z.B. durch Reformen), sondern es sollte grundlegene Veränderungen geben. Ich habe dazu immer folgendes Bild im Kopf:
Ein Haus, das auf einem uralten, bröckelndem Fundament steht. Ist es sinnvoll, die immer wiederkehrenden Risse und Schäden zu reparieren und ständig an dem Haus herumzurenovieren oder sich zu überlegen, wie das Haus sich auf dem sich auflösenden Fundament besser und länger unbeschadet halten kann? Oder sollte vielleicht erst einmal ein sicheres, neues Fundament gebaut werden?
Ich denke, wir nehmen sehr viele Dinge, von denen wir manchmal sogar merken, dass sie uns nicht gut tun, als selbstverständlich hin, weil wir daran gewöhnt sind und keine Alternativen kennen. Ich versuche, durch Fragen (die keine Suggestivfragen sein sollen) einmal Überlegungen dahingehend anzuregen, ob das, was wir als gegeben hinnehmen, wirklich sinnvoll, gut oder gesund ist. Könnte es manchmal Alternativen geben, die für manche (oder alle) Menschen besser sein könnten? Zu welchem Ergebnis man bei diesen Überlegungen kommt, kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Unterschiedliche Vorstellungen sollten meiner Meinung nach erlaubt sein und als Grundlage für spannende Diskussionen dienen.

Für wen ist der Blog?
Für Schüler (wobei damit alle entsprechenden Menschen - also männlich wie weiblich - gemeint ist). Für alle, die einst Schüler waren und dies noch nicht vergessen haben. Für alle, die mit Schülern zu tun haben. Für alle, die mit Schule zu tun haben - also auch für Eltern, Lehrer... Für Menschen, die offen und bereit sind, unser Schulsystem kritisch zu betrachten und zu hinterfragen. Für Menschen, die sich nicht davon abschrecken lassen, dass bestimmte für selbstverständlich geglaubte Vorstellungen einmal grundlegend angezweifelt werden. Für Menschen, die bereit sind, aus dem sicheren und vertrauten schwarz-weiß-Denken hinauszutreten in die unsicheren und unbekannten grauen Bereiche (auf der Suche nach den unzähligen Farben). Für jeden, den es interessiert.

Für wen ist der Blog nicht?
Es ist mir ganz wichtig, dass Folgendes klar ist: Ich möchte niemanden überzeugen. Ich möchte nicht missionieren. Wenn du, lieber Leser, also beim Lesen das Gefühl bekommst, du sollst überzeugt oder missioniert werden, dann ist der Blog möglicherweise nichts für dich. Wenn du beim Lesen ärgerlich wirst über das Geschriebene (und es unmöglich findest), dann widme dich lieber angenehmen Dingen. Oder sende mir gerne ein konstruktives Feedback, was bei dir negativ ankommt.
Überprüfe, ob du dir selbst sagen kannst: "Krass, was die hier für eine Meinung vertritt, so sehe ich das nicht. Aber wir Menschen haben halt unterschiedliche Sichtweisen." oder "Ich bin anderer Meinung, aber neugierig, warum die das so sieht und hätte Lust, über unsere Ansichten zu diskutieren." Wenn nicht, dann mach lieber etwas, was dir wichtig ist und sinnvoll erscheint.

Meine Beiträge spiegeln meine eigene Entwicklung in der Auseinandersetzung mit dem ganzen Thema wider. Ich erhebe keinen Anspruch auf Wahrheit, Objektivität oder Endgültigkeit meiner Aussagen. Im Laufe der Zeit merkte ich, wie meine zunächst die Schule kritisierende Position sich wandelte in eine auf den Menschen gerichtete Position: Das Bild eines Menschen, der von Natur aus sozial und gut ist und die Fähigkeit sich zu bilden von Geburt an in sich trägt sowie das Wissen darum, was er zur Entfaltung seiner Persönlichkeit und seines Potentials braucht sind unvereinbar mit dem Menschenbild, welches unserer Schule zugrundeliegt sowie deren Rahmenbedingungen. 

Aber seht und lest und urteilt selbst ... am bedeutsamsten sind sowieso die Konsequenzen, die wir aus unseren Erkenntnissen ziehen! Also sicherheitshalber eine Warnung: Dieser Blog ist gefährlich: Er könnte Dein Leben verändern ... die Nebenwirkungen könnten sein: ein wachsendes Bedürfnis nach Freiheit, ein starker Drang danach, selbstbestimmt zu sein... vielleicht auch: seelische Gesundheit...

Meine Gedanken und Hoffnungen können noch so eigenartig sein - ich kann mich immer darauf verlassen, dass ich in der Literatur etwas finde, was mich bestätigt und mir das sichere Gefühl gibt, nicht allein zu sein.
- Grace Llewellyn -